Selbstauskunft für die Bank ausfüllen
Das Formular ist kurz, die Wirkung groß: Aus Ihren Angaben errechnet die Bank, welche Rate Sie tragen können. Wer hier ungenau ansetzt, verschenkt Spielraum — meist zu seinen eigenen Lasten.
Die Selbstauskunft ist die strukturierte Aufstellung Ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse: Einkommen, Ausgaben, Vermögen, Verbindlichkeiten. Fast jedes Institut hat einen eigenen Vordruck, die Inhalte sind aber weitgehend gleich. Diese Anleitung geht sie in der Reihenfolge durch, in der sie üblicherweise abgefragt werden.
Alle Angaben werden geprüft — durch Gehaltsnachweise, Kontoauszüge und die SCHUFA. Die Selbstauskunft ist keine Verhandlungsposition, sondern eine Tatsachenaufstellung. Ihr Spielraum liegt nicht im Beschönigen, sondern im korrekten Ansetzen — und da wird meist zu Ihren Lasten gerechnet.
1. Person und Haushalt
Name, Geburtsdatum, Anschrift, Familienstand, Anzahl der Kinder. Unkritisch, aber vollständig ausfüllen. Der Familienstand ist relevant, weil daraus Unterhaltspflichten und gegebenenfalls ein zweites Einkommen folgen.
2. Beschäftigung
Beruf, Arbeitgeber, Beschäftigt seit, Art des Arbeitsverhältnisses.
- „Unbefristet" gehört unbedingt hin. Das ist für die Bank eine der wichtigsten Einzelinformationen — sie bestimmt maßgeblich, wie belastbar Ihr Einkommen bewertet wird.
- Beschäftigungsdauer nicht kleinreden. Auch die Probezeit liegt hinter Ihnen, wenn sie hinter Ihnen liegt.
- Bei einem sicheren Arbeitgeber — öffentlicher Dienst, kommunales Unternehmen, Konzern — ist ein kurzer Hinweis darauf angebracht. Branchenrisiko fließt in die Bewertung ein.
3. Einkommen
Hier passiert der erste teure Fehler. Gefragt ist das monatliche Nettoeinkommen — anzusetzen ist aber der Jahresdurchschnitt:
| Rechenweg | Betrag |
|---|---|
| Monatliches Netto × 12 | 37.680 € |
| Weihnachtsgeld | + 2.900 € |
| Urlaubsgeld | + 1.900 € |
| Jahresnetto | 42.480 € |
| Ansatz pro Monat (÷ 12) | 3.540 € |
Wer stattdessen nur die 3.140 € des normalen Monats einträgt, verschenkt 400 € monatliche Bemessungsgrundlage — bei gleicher Wahrheit. Das ist kein Trick, sondern die sachlich richtige Größe: Sonderzahlungen sind Teil Ihres Einkommens.
Weitere Einkommensarten, die hineingehören:
- Mieteinnahmen — immer kalt ansetzen, also ohne Nebenkostenvorauszahlungen. Die sind kein Einkommen, sondern durchlaufende Posten.
- Kindergeld, Unterhalt, Renten, Nebentätigkeiten.
- Kapitalerträge nur, wenn sie regelmäßig und belegbar sind.
4. Ausgaben
Und hier der zweite teure Fehler — der häufigste überhaupt.
ETF-Sparpläne, Bausparen, Rücklagenbildung: Das ist Vermögensaufbau. Wer 300 € monatlich spart, kann diese 300 € für eine Kreditrate umwidmen — genau darum interessieren sie die Bank als freie Mittel, nicht als Belastung.
Trägt man sie unter „Ausgaben" ein, sinkt der Überschuss um 300 €. Bei üblichen Bewertungsmaßstäben entspricht das grob einem fünfstelligen Betrag weniger Darlehensspielraum — für nichts.
Was tatsächlich hineingehört:
- Wohnkosten — Warmmiete. Achtung: Bei einem selbstgenutzten Objekt, das Sie durch den Kauf ersetzen, entfällt diese Position künftig. Weisen Sie das aus, wenn es zutrifft.
- Lebenshaltung — Lebensmittel, Kleidung, Freizeit. Realistisch bleiben: Viele Banken rechnen ohnehin mit Pauschalen pro Kopf, und ein auffällig niedriger Wert wird nach oben korrigiert.
- Versicherungen — Haftpflicht, Hausrat, Kranken- und Berufsunfähigkeitsversicherung.
- Mobilität — Nahverkehr oder Kfz mit Steuer, Versicherung, Kraftstoff.
- Bestehende Kreditraten — vollständig. Sie stehen in der SCHUFA.
5. Vermögen
Vollständigkeit lohnt sich, weil jede Position Ihre Substanz erhöht:
- Bankguthaben, Tagesgeld, Sparkonten
- Depots und Wertpapiere (aktueller Kurswert)
- Edelmetalle (Tageskurs)
- Immobilien — bei Miteigentum nur Ihren Anteil; bei Belastung durch Nießbrauch oder Wohnrecht den geminderten Wert
- Fahrzeuge, Lebensversicherungen mit Rückkaufswert
6. Verbindlichkeiten
Alle laufenden Darlehen mit Restschuld und monatlicher Rate. Zwei Klarstellungen:
- Ein Kreditkartensaldo, den Sie monatlich vollständig ausgleichen, ist keine Verbindlichkeit. Ihn als solche einzutragen verzerrt Ihre Bilanz zu Ihrem Nachteil.
- Ein eingeräumter Dispo ist keine Schuld, solange er nicht genutzt wird. Genutzt allerdings sehr wohl — und er wirkt schlecht.
SCHUFA: vorher selbst hineinschauen
Sie haben Anspruch auf eine kostenlose Datenkopie nach Art. 15 DSGVO. Das lohnt sich bevor Sie zur Bank gehen — nicht wegen des Scores, sondern wegen möglicher Fehleinträge. Eine falsch gemeldete offene Forderung fällt Ihnen sonst erst im Kreditgespräch auf, und dann ist es zu spät für eine Korrektur.
Den Score selbst nur angeben, wenn er für Sie spricht. Zusätzlich hilfreich ist die Formulierung, ob ausschließlich positive Bonitätsinformationen vorliegen — das sagt oft mehr aus als die Punktzahl.
Die fünf Fehler in Kurzform
- Monatsgehalt statt Jahresdurchschnitt ansetzen und Sonderzahlungen verschenken.
- Sparraten als Ausgabe eintragen und den eigenen Überschuss kleinrechnen.
- Mieteinnahmen warm statt kalt ansetzen — das fällt bei der Prüfung auf.
- Kaufnebenkosten übersehen: Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch, ggf. Makler machen je nach Bundesland 8 bis 12 Prozent aus und werden in der Regel nicht mitfinanziert.
- Positionen weglassen, die man für unwichtig hält — vom Fahrzeug bis zum kleinen Depot. Vollständigkeit ist Ihr Vorteil.
Schicken Sie die Selbstauskunft nicht handschriftlich als Handyfoto. Ein saubere, gesetzte Aufstellung — idealerweise eingebettet in vollständige Unterlagen — verändert, wie Sie wahrgenommen werden. Nicht weil Optik Zahlen ersetzt, sondern weil sie signalisiert, dass Sie Ihre Zahlen im Griff haben.
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Jetzt ausfüllen →Dieser Beitrag erklärt den üblichen Aufbau einer Selbstauskunft. Er stellt keine Finanzierungs-, Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Formulare und Bewertungsmaßstäbe unterscheiden sich zwischen Instituten; maßgeblich sind die Angaben und Nachweise, die Ihre Bank verlangt.